Mehrseillängentour „Elfengarten“ (UIAA 5) im Grazer Bergland

Freitags bin ich noch im Zug von Prag nach Graz gesessen und „genoss“ 7 Stunden lang die sitzende Position. Kaum heimgekommen, schmiedeten wir schon Pläne für den nächsten Tag und zusammen mit Paula und Stefan entschieden wir uns für den (mittlerweile variantenreichen) Elfengarten am Röthelstein SO-Sporn.
Anfang Juli eine Tour am SO-Sporn klettern war per se keine gute Idee, aber die Temperaturen sollten mit weniger als 30°C noch halbwegs erträglich werden und viele Stände befinden sich im Schatten.
Müde von der Abschlussreise kämpfte ich mich am Samstagmorgen aus dem Bett und füllte meinen Koffeinspeicher auf ein erträgliches Maß. Ein schnelles Frühstück später saßen wir auch schon zu viert im Auto und ab ging es zum Parkplatz Rote Wand. Wir waren einigermaßen verwundert, dass so wenig Autos am Parkplatz standen und sicherten uns einen Schattenplatz. Wahrscheinlich waren schon viele Kletterer:innen und Wandernde in kühleren Regionen unterwegs gewesen.
Den Elfengarten habe ich vor Jahren schon einmal gemacht und die Route als lohnen und schön in Erinnerung – und die hat nicht getäuscht!
Los ging es in der 1. Seillänge mit Henkeln, guten Griffen und natürlich Begehungsspuren, schließlich befanden wir uns in einer der beliebtesten Routen hier. Trotzdem empfand ich Griffe und Tritte als erstaunlich griffig. Genau zu schauen blieb uns allerdings auch hier nicht erspart, die Seilschaft vor uns kletterte die direkte Variante an, querte dann unter dem Vorsprung nach links zur eigentlichen Route zurück. Die Sanduhren in der 1. Seillänge hatte ich schon entdeckt und querte deutlich früher. Das Material in den Sanduhren kann nur als „zweifelhaft“ beurteilt werden – selten habe ich so schöne, schwarz-modrige Seilstücke gesehen.

In der 2. Seillänge entschieden wir uns für die Originalvariante links anstatt der direkten, die aber sicher auch schön zu klettern gewesen wäre.

Unproblematisch und leicht geht es weiter durch den Wald, doch mit etwas Schrofengelände, das uns zu den schöneren Wandteilen führte. Die Umgehung über die Rampe in der 5. + 6. Seillänge haben wir abgekürzt durch die direkte Variante, die zwar etwas schwieriger war aber Zeit und Nerven spart.

Eine steile Wandklettertei, die aber bestens abgesichert war, brachte uns zu einer tollen, henkeligen Wand, die leider viel zu schnell vorbei war und man geht die letzten Meter durch Wiesen und Schrofen wo ich nur zwischendurch bei Felsbrocken anziehen musste. Der Stand ist dann direkt beim Gamskloplatzl wo man für jeden Windhauch dankbar ist, der den Geruch wegträgt.

Die folgende Länge sieht zwar steil aus, auf Grund des blockigen Geländes ist sie aber sehr leicht und wir kletterten hier über gesuchtes Felsgelände weiter durch die Botanik. Am Schluss ist die Orientierung etwas schwierig, hier mussten wir uns links des Grates halten um wieder in die Route zu kommen, es zahlt sich aber aus!
Sehr guter, wasserzerfressener Fels mit großen Griffen führte uns zum Wandbuch, das leider in einer undichten Box von den Regenfällen aufgeweicht war. Uns gelang leider kein leserlicher Eintrag.

Die Abschlussseillänge habe ich letztes Mal nicht erwischt sondern bin irrtümlich in die Schlangengrube abgebogen, heute durften wir diese letzte Länge aber endlich einmal genießen. Carmen hat sich den Vorstieg geschnappt und nach einigem Zaudern bei den Reibungstritten hat sie diese Seillänge auch gemeistert. Im Nachstieg bemühte ich mich sauber zu klettern um mich nachher nicht drüber zu ärgern wie schlecht man geklettert ist, nur weil es im Nachstieg war.
Tolle Seillänge!
Auch Paula hat sich hier den Vorstieg geschnappt, wir durften uns also von unseren Gefährtinnen leiten lassen, was eine willkommene Abwechslung war. Bissl Selbstvertrauen vom Sportklettern schadete hier sicher nicht 😉

Fazit
Für mich eine der besten Routen in diesem Grad im Grazer Bergland, tolle Varianten wo man eigentlich immer unter dem 5. Grad bleiben oder auch einmal darüber hinaus schnuppern kann. Größtenteils gut abgesichert, manchmal altes Material bzw. zu dünne Reepschnürl um einen Ausrutscher abzufangen. Wir haben manche Sanduhren mit eigenen Bandschlingen abgesichert um nicht auf das vorhandene Material vertrauen zu müssen. Das empfehle ich eigentlich eh immer 😉 – dann besser 2-3 Schlingen mehr mitnehmen.
Tolle Tour, toller Tag, vielleicht im Hochsommer etwas früher starten (7e am Parkplatz statt 9e) oder erst am Nachmittag einsteigen, wenn keine Gewitter kommen sollten.

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