Mehrseillängentour „Roter Kamin“ (UIAA 5+) am Rampenwulst, Grazer Bergland

Das instabile Wetter der letzten Tage ist ja nicht gerade die beste Voraussetzung für lange Touren, da lohnt es sich vielleicht einen Blick auf kürzere Touren zu legen.
Wir haben diese Tour bereits Ende Juni gemacht, als „after-work“ Tour an einem Dienstag, wo wir um 13 Uhr am Parkplatz Bärenschützklamm einen Parkplatz ganz vorne bekamen. Auch nicht selbstverständlich 🙂

Der Rampenwulst beeindruckt immer wieder, da er sich steil und mächtig über einen erhebt, wenn man am Einstieg steht. Die Grastöterdiagonale bin ich schon 2x geklettert, aber den Roten Kamin habe ich bisher immer links liegen gelassen. Ein Kamin ist sowieso nicht mein Fall, ein Stemmkamin schon gar nicht, das Verhältnis zwischen Zu- und Abstieg und den Seillängen empfand ich bisher auch nicht als lohnend. Neugierig wurde ich heuer erst, als eine Kletterin, der ich auf Instagram folge, die Route sehr gelobt und empfohlen hat. Da sie schon sehr viele Mehrseillängentouren geklettert ist, habe ich den Roten Kamin auf meine „bucket list“ geschrieben – man soll schließlich niemals nie sagen.

Die ersten 2 Seillängen kannte ich bereits von der Grastöterdiagonale, nur, so scheint es, ist diese in den letzten Jahren wesentliche gefragter geworden. Die Begehungsspuren waren nicht mehr zu übersehen und stellenweise war der Fels schon sehr poliert. Diverse Seilreste in den Sanduhren wiesen schon starke Verfärbungen, Flechtenbewuchs und brüchige Stellen auf. Glücklicherweise gab es genug Bohrhaken.

Die erste Seillänge des Roten Kamins war dann schon ein anderes Level als die Einstiegsseillängen. Hier kletterte ich vom Stand ein wenig nach links, vorbei an einem stacheligen Rosenbusch und danach zuerst an einer riesigen Schuppe aufwärts um in einer Rissverschneidung zu landen. Die Kletterei lag mir nicht und so kam mir diese Länge viel schwieriger vor, als sie eigentlich war. Zwischendurch konnte ich leicht nach rechts ausweichen, wo es kleine Leisten gab, an denen ich mich wohler fühlte als in dem Untergriffintermezzo. Bald war auch der Stand erreicht, der „Red Corner of Imladris“ wo die Route Imladris abzweigte.

Die „Imladris“ habe ich auch ein wenig beäugelt. Steil war sie, sah aber gleichzeitig auch sehr gut zu klettern aus, und daneben wartete auch noch die Neutour „Synergie“, die sich vom Schwierigkeitsgrad her nur leicht darunter im 8. Grad bewegt. Gedanklich notierte ich mir beide als zukünftige Ziele, sofern mein Sportkletterniveau sich wieder gebessert hat.

Die nächste Seillänge stieg dann Stefan vor und die steile Wand bzw. die Rissverschneidung war gar nicht so leicht. Als ich nachgestiegen bin, war ich allerdings mehr als positiv überrascht. Die Strukturen waren super, die Wand am Anfang sehr rau und gut zu klettern, die Rissverschneidung brauchte man gar nicht so oft und alles löste sich in schöner Kletterei auf. Beim Block vor dem Stand musste ich zwar etwas schauen aber alles in allem war das eine der besten Klettereien, die ich im Grazer Bergland kenne. Anscheinend haben auch einige Seilschaften nach der 1. Seillänge umgedreht, denn waren unten noch einige Begehungsspuren zu sehen, gab es hier fast jungfäulichen Fels.

Stefan begibt sich in die Rissverschneidung

Die letzte Seillänge, ein Stemmkamin im oberen 5. Grad sah von unten zwar etwas beunruhigend aus, kletterte sich aber ganz ausgezeichnet. Sofern man die Füße immer gut platzierte und sich „hochstemmte“ hatte man eigentlich immer einen Henkel in der Hand und abgesichert war die Länge darüber hinaus auch sehr gut.
Am Ende entschied ich mich um die Kante zu klettern (bzw. den letzten Stand zu übersehen) und machte Stand am Ende der Route Imladris. Stefan kam nach und wir seilten uns von hier ab. Was folgte ist eine sehr luftige Abseilfahrt vorbei an einem überhängenden Wandabschnitt.

Luftig geht es nach unten

Mit den 50m Halbseilen kamen wir bis zum „Red Corner“ wo kein Abseilstand war. Kurzerhand habe ich dann eine 3m Reepschnur einige Male durchgezogen und einen alten Schrauber zurückgelassen, sodass wir von hier weiter abseilen konnten. Dann haben wir auch einen Abseilstand gefunden, der zur eigentlichen Abseilpiste gehörte. Dieser hört jetzt auf den Namen „Ungetüm“. Das Bild erklärts 😉

Was ihr hier seht, ist eine fragliche Sanduhr weil rissig aber wenigstens dick genug mit etwas Altmetall

Fazit zur Tour:
Zwei Daumen nach oben. Trotz der 1. Seillänge im Roten Kamin, die mir nicht gelegen ist, war die Kletterei ganz ausgezeichnet, top abgesichert, super Fels in einer rauen und steilen Wand und das ganze im oberen 5. Grad. Mag ich!
Der abgebildete Abseilstand ist natürlich zum Vergessen, in Ermangelung an Alternativen nahmen wir ihn aber trotzdem – vielleicht habe ich den richtigen Stand auch einfach nicht gefunden.

Mehr Infos und Topo zur Tour auf bergsteigen.com

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