Mehrseillängentour „Stripsenzahn“ (UIAA 6-) im Wilden Kaiser

Im Zuge meiner Tätigkeit als Tourenführer beim Alpenverein besuche ich regelmäßig Fortbildungen, v.a. im Bereich Alpinklettern um am neuesten Stand bezüglich der Lehrmeinung bei Seil- und Rettungstechnik zu sein. Aber auch um Gefahren im Alpinen besser einschätzen zu können. Das kann ich wirklich nur jedem Tourenführer empfehlen und ich bin mir sicher, so mancher wird eventuell merken, wie wenig er/sie eigentlich weiß und wie gefährlich sie mit ihren Gruppen unterwegs sind.

Am Stripsenjochhaus angekommen hat mich gleich ein sehr erhabenes Gefühl erfasst. Der Ausblick auf die Wände im Wilden Kaisergebirge war schon ein erster Augenschmaus. Die Nordwände vom Totenkirchl, Fleischbank und Predigtstuhl sind hier nicht weit entfernt und mir schossen sofort Begriffe wie „wild, steil, hart bewertet,…“ durch den Kopf.
Am 3. Kurstag sollte das Wetter ausreichend stabil sein und wir machten am Vorabend die Tourenplanung für den kommenden Tag. Für ein paar Teilnehmer/innen schient die Via Classica ein interessantes Ziel zu sein. Lang ist sie, zu lange für mich da ich heuer nur sehr wenig klettern konnte und mit dem mehrstündigen Abstieg zum Stripsenjochhaus zurück, läpperte sich die kalkulierte Tourendauer auf schmale 14 Stunden zusammen. Für einen konditionell schlecht aufgestellten Stephan war das eindeutig zuviel.

Mit dem Vorschlag, den Stripsenzahn am Totenkirchl zu machen, waren dann auch alle einverstanden. Die Absicherung schien OK und die Routenlänge mit 8 Seillängen kam mir sehr entgegen.
Der Einstieg befand sich fast am Ende des Schuttkessels neben einem Klebehaken und man sah deutliche Begehungsspuren aber nicht wirklich poliert. So startete ich in die 1. Seillänge, welche großgriffig und toll zu klettern war. Nur die Absicherung war für meine Begriffe schon etwas weit. 6 Haken auf 35 Meter in einer 5+ Seillänge bedeutet im Sturzfall eine sehr unangenehme Brezn die bei dem Gelände einige unangenehme Folgen haben dürfte. Die folgenden 2 Seillängen waren dann eher kurze und gut abgesicherte Querungen bis man dann mühsam durch Schrofengelände zum nächsten Stand gelang.

Erst die 4. und 5. Seillänge haben wieder tolle Kletterei an rauem, festen Fels geboten. Die 6- Stelle war für mich etwas unübersichtlich, aber wenn man die Griffe über dem Bauch gefunden hat, kommt man gut drüber. Danach kam wieder eine Schrofenlänge zur Erholung bevor es ins steile Finale ging.

Die 7. Seillänge bereitete mir einiges an Kopfzerbrechen weil ich etwas außerhalb der Linie kletterte. Hier suchte ich mein Heil in einer exorbitanten Wasserrille die mir tausend schwer vorkam. Unser Ausbildner hinter mir gratulierte schon zur schwierigstmöglichen Variante dieser Seillänge.
Der Kamin in der letzten Seillänge zog steil nach oben und ich war einigermaßen froh, den Vorstieg hier an meine Seilpartnerin abgeben zu können, die diesen souverän kletterte.
Was ich dann im Nachstieg produzierte war ein Feuerwerk an übelster Kaminkletterei für das ich mich richtig geniert habe.
Viel zu tief im Kamin war ich weit entfernt vom eleganten Spreizen sondern drückte, presste, schob und windete mich aufwärts. Schnaufend und schwitzend wie ein altes Postross kam ich oben an. Innerlich hatte ich da mit meiner Alpinkletterkarriere schon abgeschlossen.

Der letzte Stand ist übrigens nur 1 geklebter Haken und sollte mit mobilen Sicherungsmitteln verbessert werden zwengs der Redundanz.
Mobile Sicherungsmittel können manchmal ganz nützlich sein, mittlere Keile und Cams 0,5 – 2 ist meine Empfehlung, nötig sind diese allerdings nicht wirklich wenn man einige Meter vom Haken wegklettern kann.
Im Kamin könnte man hinter den Henkelschuppen schon Cams unterbringen, im Sturzfall würden dieser aber eventuell abgesprengt werden, besser vorher ein wenig Kaminklettern üben 😉

Fazit:
Eine tolle Tour, halbwegs gut abgesichert und die Schlüsselstelle ist relativ leicht. Ich persönlich hätte mir einige Klettermeter mehr gewünscht anstatt dem ganzen Schrofenzeugs aber die Kletterstellen, die es gibt, die sind wirklich schön. Extra dafür hinfahren muss man aber nicht.
Der Abstieg zum Führerweg hat es allerdings nochmal in sich. Man seilt von einem Stand ab, der aus 2 Schlaghaken besteht. Die Reepschnüre waren zwar relativ neu, aber hier könnte eine motivierte Person schon mal nachbessern mit Normbohrhaken – wir sind ja nicht in den Dolomiten.

Wilder Abseilstand – immer die Schweren zuerst 😀