Panoramapfeiler (4+ bis 6-) am Kressenbeg

Das Tote Gebirge ist eine richtig gute Klettershow. Steile Kalkwände tun sich hier auf und das in allerbester Qualität, doch zuerst muss der Zustieg zum Prielschutzhaus bewältigt werden. Also starteten Ivy, Germano, Chris und ich am Parkplatz in Hinterstoder und ließen meine kleine Digitalkamera blöderweise im Auto zurück. Deshalb gibt es bei diesem Beitrag nur ein paar Handybilder.

Ein ganz schöner Hatsch sind die 2,5h bis man bei der Hütte angelangt ist, vor allem weil man immer schon die Gipfel des Großen Priel, des Brotfalls oder der Spitzmauer sieht. Da wird einem schon der Mund wassrig sobald man vom Parkplatz gestartet ist. Hier zwei Fotos von den umliegenden Bergen in der Abenddämmerung.

Das Prielschutzhaus ähnelt ja eher einem Hotel als einer wild-romantischen Hütte. Platz für 140 Leute, das Anmelden wird „check in“ genannt und die Auswahl an Getränken kann sich sehen lassen.
Samstagmittag kommen wir an der Hütte an, machen kurz Rast und beschließen am Nachmittag Richtung Kressenberg zu gehen um dort den Panoramapfeiler zu klettern, damit sich alle in Absicherung und Felsqualität eingrooven können. Nach min. einer weiteren Stunde schweißtreibendem Zustieg auf Grund vieler Höhenmeter (Prielschutzhaus auf ~1500HM, Einstieg auf ca. 2000HM) kommen wir am Einstieg an, der relativ leicht zu finden war. Verwechslungsgefahr mit den anderen Routen besteht kaum, sofern man ein Topo lesen kann.

Hier ein paar Fotos zur Landschaft, Panorama und der Blick auf die Routen des Kressenberg von unten.

Als ich in die erste Länge einsteige war ich sofort verliebt in diesen Fels. Der raue Kalk frisst sich richtig in Haut und Sohlengummi und hier muss niemand Angst haben abzurutschen, zudem war die Bewertung mit 4+ äußerst…sagen wir dankbar.

Nach der dritten Seillänge, die eher unschön war, gerieten wir dann in den Gendarmerieweg und wir durften die Schlüsselseillänge, eine Querung unter einem Dach mit anschließender Rissverschneidung im 6. Grad, klettern. Hier mussten wir uns schon ordentlich anhalten, vor allem der Überstieg in die Rissverschneidung, die dann über dem Dach weiterging fiel uns allen etwas schwer.

Nach diesem Intermezzo sahen wir aber gleich wieder die Originalroute, diese verläuft wesentlich weiter rechts als es das Topo vermuten ließ. Darüber hinaus fand ich auch  nach längerem Suchen keinen passenden Stand. Möglicherweise befindet sich dieser etwas über dem Grasband auf dem sich der Stand des Gendarmerieweges befindet und Verwechslungsgefahr garantiert.

Der Panoramapfeiler hat sich dann weiterhin nicht lumpen lassen. Zwar hatten wir auch eine bröslige Seillänge mit dabei, aber der Großteil ist bombenfester, wasserzerfressener Kalk von der besten Sorte. Nach dem letzten Turm bzw. vor dem letzten Stand hätte ich gerne den Abseilstand des Gendarmerieweges verwendet und mich schon dort abgeseilt, denn der Abstieg zur allgemeinen Abseilpiste sah am Übersichtsfoto schon nicht sonderlich verlockend aus. Leider war es aus dem Topo nicht ganz ersichtlich ob es wirklich die Abseilpiste ist und so beschlossen wir die Abseilpiste zu suchen.

Grüne und orange Markierungen geleiten uns vom höchsten Punkt des Kressenbergs nach unten über Schrofengelände und Graspölster. Wir entschieden uns am laufenden Seil hinab zu klettern mit einem Abstand von ca. 10 Metern wobei ich versuchte soviel Köpfel und Sanduhren mitzunehmen und zusätzlich hin- und wieder einen Klemmkeil oder einen Friend unterzubringen. War mein Material zu Ende ließ ich Christoph aufschließen, übernahm wieder alles und weiter ging es nach unten. Leider mussten wir uns hier voll auf den Abstieg konzentrieren und dachten nicht mehr daran Fotos zu machen.

Bei Trittsicherheit und trockenen Verhältnissen kann man den Abstieg sicher auch ohne Sicherung bewältigen, allerdings muss man sich seiner Sache da schon sehr sicher sein und meinen turnschuhtragenden Seilschaftspartner wollte ich an diesem Tag nicht abstürzen sehen.
Bis zur Abseilpiste war es ein ziemlich fordernder Weg aber dank der Halbseile kamen wir mit 2x abseilen bis an den Wandfuß.
Achtung, es befinden sich einzelne Haken in der Wand, auch direkt bei einem Bankerl, die gehören nicht zu den Abseilständen – diese sind wirklich immer mit 2 verbundenen Haken oder 1 Sanduhr verbunden mit 1 Bohrhaken ausgestattet.

Der Abstieg gestaltet sich dann gleich wie der Zustieg, allerdings sollte man darauf achten, dass man nicht falsch in die Latschen abbiegt. Wir verbrachten gut 1,5h damit uns durch die Latschen zum Weg zu kämpfen. Das sorgte für viele Kratzer und einen angenehmen Latschenkieferduft.
Zurück beim Prielschutzhaus war unser Halbpensionsmenü bereits verkauft und wir konnten noch zwischen Pasta Bolognese oder Gulasch wählen.
Den Hauswein kann ich euch übrigens nicht empfehlen. Auch wenn er mit 2,70€ für 1/8terl recht günstig ist, so verursacht er ab dem 3. möglicherweise Kopfschmerzen 😉

Übrigens: an diesem Wochenende war das Wasser sehr knapp auf der Hütte. Wir hatten kein fließendes Wasser mehr in Waschräumen oder Toiletten, die versperrt waren und zum Zähneputzen gab es nur noch ein paar Tropfen. Am nächsten Morgen dasselbe Bild und es gab genau 1 (in Worten: EIN!!!) Trockenklo für alle ca. 100 Personen, die sich auf dieser Hütte befanden.
Nachdem letzte Nacht sich schon einige betrunkene Gesellen dort erleichtert haben dürften, und nicht mehr so zielsicher waren, präsentierte sich der Lokus als unbetretbar. Manch fesches Madl, die geschminkt und gestylt in aller Früh gen Berg starten wollte, wurde hier auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und schnappte sich, so wie viele Andere auch, ein paar Taschentücher und suchte sich ein stilles Örtchen. Eine ziemliche Sauerei, die sich da im Wald präsentierte, aber was wäre die Alternative gewesen? Diese „Selchkammer“ konnte einfach niemand mehr betreten.


Fazit zum Kressenberg:
Geniale Kletterei mit Traumpanorama, gut abgesichert, dafür ein horrormäßiger Abstieg zur Abseilpiste. Alle Infos dazu findet ihr auf der Homepage des Prielschutzhauses, inkl. Topos und Beschreibungen

 

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